17. Bericht (Dez. 2006)

17. Bericht über die Arbeit für verlassene Kinder in Rumänien

Der Verein „Samariteanul Milos“ (Barmherziger Samariter) in Ghimbav/Weidenbach bei Brasov/Kronstadt in Siebenbürgen, Rumänien, ist Heimat für 3 Familien in 2 Häusern und einer Etagenwohnung mit zusammen 20 Kindern, die teils von der Straße kommen, teils von ihren Eltern verlassen wurden. In weiteren 10 Familien werden derzeit über 30 Kinder mit monatlicher Sozialhilfe materiell unterstützt, damit sie überleben können. In Codlea/Zeiden besteht ein Kurs für tägliche Hausaufgabenhilfe mit Schülerspeisung für 40 Kinder, in Dumbravitsa ein Kurs für Hausaufgabenhilfe und Alphabetisierung mit Schülerspeisung für 15 Kinder. Im Block 14 stellen wir den ,,Fackelträgern“ Räume für ein Vorschulprogramm zur Verfügung, Hilfe für Bedürftige in Form von Lebensmitteln, Kleidern, Medikamenten nach Rezept, finanzielle Hilfe bei Krankenhausaufenthalten und juristischen Problemen.

Liebe Freunde und Mithelfer!
Die Arbeit, die vor ca. 12 Jahren so klein angefangen hatte ­ Vereinsgründung, Kauf und Renovierung des Hofs, die Ankunft der ersten drei Kinder ­ hat sich jedes Jahr mehr ausgeweitet.

Mein Mann und ich sind seit ca. 9 Jahren dauernd hier. Das Leben ist nicht immer einfach, doch die Arbeit ist lohnend, und es macht einen Unterschied, dass wir vor Ort sind.

Dass wir so vielen Menschen ein Stück weiterhelfen konnten, erfüllt uns mit Dankbarkeit. Dabei ist uns sehr bewusst, dass wir ohne Sie alle nichts tun könnten. Sie alle haben uns unterstützt durch Ihre Gebete, mit guten Vorschlägen, Worten der Ermutigung, mit Arbeitseinsätzen, Besuchen und Finanzen. Ganz herzlichen Dank dafür!
Wir sind Gott so dankbar für seinen Beistand und dass er Sie uns zur Seite gestellt hat.

[…] Die Kreiskirchliche Verwaltung in Steinfurt hat bis jetzt unser Konto kostenlos geführt. Infolge von Einsparungsmaßnahmen ist es ihr nicht mehr möglich, die Arbeit für uns in dieser Form weiterzuführen. Deshalb haben wir uns im gegenseitigen Einvernehmen entschlossen, ab 01.01.2007 eine Stiftung einzurichten. Wir sind der KKV und ihren Mitarbeitern sehr dankbar für ihren selbstlosen Einsatz in den letzten 12 Jahren.

Das Wichtigste in Kürze:

Anlässlich eines Arztbesuches wurde bei Gotthold ein Lungenkarzinom festgestellt. Nach Chemotherapie, Bestrahlung und Operation befindet er sich jetzt in einer Reha-Klinik und erholt sich so langsam. Ich, Maja, pendle zwischen Rumänien und hier. Wir hoffen und beten, dass wir im neuen Jahr wieder gemeinsam nach Rumänien können.
Die Kinder besuchen, je nach Alter, Begabung und Fleiß, Kindergarten, Grund- und Hauptschule, Lyzeum und Berufsschule.
Adrian Marica, 20 Jahre, hat uns nach Abschluss der Berufsschule als Chauffeur verlassen und arbeitet mit seinem Onkel in Italien. Er besucht uns gelegentlich, und es scheint ihm gut zu gehen.
Jeanette Hetzer, die die Gruppe der Jozsi-Kinder leitete, ist nach Deutschland zurück. Wir danken ihr herzlich für ihren Einsatz. An ihrer Stelle arbeitet jetzt Noemi Biro.
Unter den beiden Müttern, Sanda und Noemi, und dem Ehepaar Emma und Dan arbeiten 9 Frauen und ein Mann, Caroly, im Schichtbetrieb.
Mihaela Bucutsea, unsere tüchtige Sekretärin und Sozialassistentin, hat einen kleinen Jungen, Vlad, bekommen. Wir gratulieren!
In Alois Bogdan haben wir einen zuverlässigen Werkstattleiter und Hausmeister, der zusammen mit unserem Schreiner Relu auch ein gutes Vorbild für unsere Jungen ist. Diese arbeiten gerne mit Alois und Relu zusammen.
Seit September arbeiten 2 Friedensdienstler, Katharina Hess und Daniel Deneu, bei uns. Wir sind froh an ihnen.
In Reken besorgen unser Sohn Christoph und seine Frau Andrea die Geschäfte der Stiftung bzw. des Vereins, und in Marl setzen sich Michael Braasch und Sabine Viehweg für uns ein, wofür wir allen von Herzen dankbar sind.

Zur Lage in Rumänien: Nach den Jahren des wirtschaftlichen Zerfalls ist ein gewisser Aufschwung unübersehbar. Die EU steckt Gelder in die Neuordnung der Verwaltung und ins Straßennetz. Westliche Firmen investieren, jedoch fehlt es an qualifizierten Arbeitern. Leider geht der Aufschwung an einem Großteil der Menschen vorbei. Während die Lebenshaltungskosten sich mehr und mehr denen des Westens angleichen, steigen die Gehälter nicht so sehr. Es gibt immer noch soviel existentielles Elend.
Die ministerielle Legalisierung haben wir jetzt bekommen.
Der Dachausbau geht langsam voran. Mit Hilfe der größeren Kinder ist die Isolierung beendet. Jetzt holen wir Angebote für die Heizungs- und Wasserinstallation ein.

Unsere Kinder

Die Krankheit Gottholds war ein Schock für die Kinder. Als ich, Maja, ein paar Wochen später zurückkam, war die Erleichterung der Kinder spürbar. Sie hatten gedacht, nun ist alles zu Ende. Sie schrieben ganz rührende Briefe. Alle wollten von jetzt an brav sein, nicht mehr die Schule schwänzen, nicht mehr mit den Mitarbeitern streiten (kommentieren), ihre Dienste tun…….
Monica Joszi schrieb, „ich gehe jeden Tag in die Schule, weil ich muss. Ich bete jeden Abend, dass Gott Dir hilft und Dich wieder gesund macht. So oft denke ich an Dich und manchmal weine ich, weil ich so Heimweh nach Dir habe.“
Alex Tudose, unser Schwieriger: „Heute vom 23.11. an werde ich alles mögliche tun, um gut zu sein, für mich, für Sanda und für Euch! Immer denke ich, wie es war, als Ihr noch hier wart, Ihr fehlt mir so sehr. Oma, weißt Du, dass der Traian die Kinder beeinflusst? (Er petzt) Ich verspreche Euch, dass Ihr Euch um mich keine Sorgen mehr zu machen braucht. Am Samstag war ich in Dumbravitsa und habe beim Dach der Familie Motca geholfen. Es macht mich glücklich, dass ich anderen helfen kann, die arm sind. Gott behüte Euch.
Ich wünsche mir, dass Ihr an Weihnachten kommt, damit wir beieinander sein können, so wie seither, dass der Opa vorliest und uns von Jesus erzählt. In allen Jahren bis 2005 bist Du mein Vater gewesen. Gott soll auf den Opa aufpassen, der mich bis jetzt, meinem 16. Jahr, aufgezogen hat. Danke.“
Traian schreibt, ,,Wenn ich Fehler mache, und ich mache viele, so bin ich mir dessen sehr bewusst. Aber alles in allem glaube ich, dass ich keine großen Fehler gemacht habe. Manchmal putze ich nicht das Bad und kommentiere von Zeit zu Zeit. Aber in der Schule habe ich mit dem Schwänzen aufgehört und ich lerne gut. Im Grunde verstehe ich mich gut mit Sanda und ihren Mitarbeitern….“
und so weiter in ähnlichem Stil.

In Emmas Familie leben 4 Kinder zwischen 16 und 19 Jahren: Jonuts, Banu, Radu und Roxana, zusammen mit den leiblichen Kindern von Dan und Emma, Timo, Ruben und Matias.

Bei Sanda leben 10 Kinder: Mihai und Traian, Alexandru und Marian, Corina, Mioara, David, Monica und Enikö mit Ana-Maria, alle zwischen 10 und 19 Jahren.

Noemis Gruppe hat die jüngsten Kinder: Cristina, Ildiko, Andrei, Stefan und Reka, alle zwischen 6 und 10 Jahren. Reli geht in den Kindergarten nebenan, die übrigen gehen in die hiesige Grundschule.

Den Müttern stehen in der Regel 2 Frauen im Schichtbetrieb zur Seite. Die Kinder haben je nach Neigung Klavierunterricht, Schwimmen, Sport, Tanz, ein Psychologe kommt einmal in der Woche.

Alle unsere Kinder leiden noch an den Folgen ihrer schweren Kindheit. Es dauert lange, bis eine gewisse Normalität einkehrt oder innere Heilung geschieht. So ist die Arbeit für alle oft sehr schwer.
Aber, wie aus den Briefen hervorgeht, es sind doch immer wieder viele gute Vorsätze vorhanden und stetige kleine Veränderungen zum Guten zu verzeichnen, die uns Mut machen.

Familien- und Sozialhilfe
Es ist schwer zu sagen, wie viele Bedürftige monatlich auf den Hof kommen. Wir helfen, so gut wir können. Bei denen, die regelmäßig erscheinen, holen wir Auskünfte ein über die örtlichen Sozialarbeiter vom Rathaus oder Leuten unseres Vertrauens. Wir verlangen Nachweise, dass die Eltern nicht trinken und die Kinder die Schule besuchen. Arzneien kaufen wir mit Rezepten des jeweiligen Hausarztes, Geld fürs Krankenhaus geben wir nach einem Telefonat mit dem behandelnden Arzt. Es gibt immer wieder Ärzte, die von besonders Bedürftigen nichts zusätzlich verlangen. Bei gerichtlichen Auseinandersetzungen bezahlen wir schon einmal für Rechtsauskünfte oder finanzieren einen Anwalt. Eine Anwältin hilft auch kostenlos mit Auskünften.

Familie Mondoc-Motca aus Dumbravitsa mit 10 Kindern konnte sich mit Hilfe eines deutschen Freundeskreises ein kleines Häuschen kaufen. Der Verein ,,Kinderzeit in Rumänien“ aus Kaarst finanzierte einen Brunnen auf dem Gelände der Familie. Das bedeutet eine solche Erleichterung für sie. Es gab ein paar Verwerfungen im letzten Jahr, die jedoch ausgeräumt wurden. Es ist für Zigeuner sehr schwer, eine Arbeit zu bekommen. Trotz mehrmaliger ehrlicher Versuche gelang es dem Vater nicht, eine Anstellung zu finden. So arbeitete er mit dem ältesten Sohn in einer Hähnchenzucht. Er bekam als Wochenlohn 6 Hähnchen. Es gab natürlich auch keine Sozialversicherung. Er kaufte sich wieder ein Pferd und sammelt Holz wie früher. Auch ein neuer Raum wurde jetzt angebaut, wofür das Material von der Familie kam. Die Kinder gehen alle in den von uns eingerichteten Kurs. Dafür werden sie mit Lebensmitteln unterstützt. Dem Verein und dem Freundeskreis herzlichen Dank!

Die Hausaufgabenhilfe in Codlea ist gewachsen, und die von uns angestellte Lehrerin betreut jetzt 40 Kinder und verteilt Sandwiches mit Milch. Die 30 Kinder vom Vorjahr haben alle das Klassenziel erreicht. Danke an die Stiftung Ezra aus Holland und deutsche Sponsoren, die die Speisung finanzieren.

In Dumbravitsa haben wir eigentlich der Familie Motca wegen einen Nachhilfe- und Alphabetisierungskurs initiiert und eine pensionierte Lehrerin dafür eingestellt. Es hilft den Familien nur für den Augenblick, wenn wir ihnen Lebensmittel geben. Wichtig ist, dass vor allem die Kinder aus dem Armutskreis durch Bildung herauskommen. Wir freuen uns, dass auch schon 5 andere Kinder aus armen Familien dazugekommen sind.

Es bedrückt uns, und wir denken manchmal, dass wir im Grunde so wenig helfen können, und oft machen wir Fehler. Wir sind hier mehr als in Deutschland von Gott abhängig, seine Hilfe, seinen Trost und seine Vergebung. Es gibt aber auch immer wieder Momente tiefer Dankbarkeit. Wir denken, dass Sie und wir erst später einmal von einer anderen Perspektive her erkennen werden, wie viel Sie alle und wir doch bewirkt haben.

Wir danken Gott, der unseren gemeinsamen Einsatz vermehrt. Er möge Sie dafür segnen, und wir danken Ihnen noch einmal sehr für Ihre Hilfe.

Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie ein gesegnetes Fest und ein ebensolches gutes Neues Jahr 2007.

gez. M. und G. Scheytt

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