19. Bericht (Nov. 2008)

19. Bericht über die Arbeit für verlassene Kinder in Rumänien

Der Verein ,,Samariteanul Milos“ (Barmherziger Samariter) in
Ghimbav/Weidenbach bei Brasov/Kronstadt

in Rumänien ist Heimat für drei Gruppen in zwei Häusern mit augenblicklich 21 Kindern, die teils von der Straße kamen, teils von ihren Eltern verlassen wurden.

Liebe Freunde und Unterstützer unserer Arbeit!

„Wir muss geduldich sein!“ Das steht in großen Lettern auf Zetteln, die überall in unserem Haus hängen. David, 16 Jahre, hat mit viel Hingabe diese Botschaft auf einem Blatt gestaltet. Viel Wahrheit steckt in dieser Notiz, denn die Arbeit hier vor Ort erfordert Geduld, von uns und von den
Kindern. Selten sind Erfolge schnell und sofort zu verzeichnen, ist unsere
Arbeit doch auf Langfristigkeit angelegt. Die uns anvertrauten Kinder mit ihrer zum Teil sehr traumatisierten Vergangenheit benötigen Heilung, die durch Zuwendung, stabile Beziehungen und auch durch Gottes Wirken geschieht ­ und meistens benötigen diese Dinge Zeit. Diese nehmen wir uns und arbeiten geduldig weiter.

Einige der Kinder im Garten.

Eine Frau aus der Nachbarschaft leitete die Kinder beim Malen wunderschöner Bilder an.

Zur Situation in Kürze

Die wirtschaftliche Situation in Rumänien ist weiterhin durch viel
ausländische Investitionen sowie durch Abwanderung der Einheimischen geprägt.
Es profitiert nur ein Teil der Bevölkerung von der sich langsam verbessernden wirtschaftlichen Situation, so dass die Unterschiede bezüglich der materiellen Situation immer größer werden. Die Preise für Strom, Gas und Lebensmittel sind weiter gestiegen und haben nahezu westeuropäisches Niveau, ohne dass die Löhne wesentlich angehoben wurden. Kinderreiche Familien, alte Menschen und Personen ohne Ausbildung, die schlecht bezahlte Berufe ausüben, leben oftmals unter sehr schwierigen Bedingungen, für uns zuweilen unvorstellbar, wie sie über die Runden kommen. Die Anzahl der verlassenen Kinder nimmt beileibe nicht ab, immer wieder werden wir gefragt, ob wir Kinder aufnehmen können.

Im ASM in Rumänien haben sich einige Veränderungen ergeben:

Wir haben jetzt 21 Kinder in drei Gruppen.

Sandas Gruppe hat sich durch den Weggang von Alex und Traian, die nun bei Verwandten wohnen, zuächst verkleinert, doch nun Zuwachs von fünf neuen Kindern erhalten. Ihre Gruppe ist im Sommer in das neu ausgebaute Dachgeschoss des Hofes gezogen.

Zu Noemis Gruppe mit den fünf Geschwistern kam ein Junge dazu.

Emma hat nach fast 13 Jahren als Mutter unserer allerersten Gruppe die Leitung abgegeben, um mit ihrem Mann und den drei Kindern als Familie privat zu leben. In diesem Haus (Casa Noua) lebt nun unser Hausmeister Alois Bogdan im Erdgeschoss mit derzeit drei der erwachsenen Jungen im ersten Stock im Sinne einer betreuten Wohngemeinschaft.

Unser Schreiner Relu ist nach Abschluss der Arbeiten im Obergeschoss zu einer anderen Firma gegangen. Thomas Kirch, vielseitiger  Friedensdienstler, war uns ein tatkräftiger Mitarbeiter und Freund der Kinder. Dieses Jahr ist Lukas van Husen bei uns mit ähnlichen Qualitäten, der schon jetzt unentbehrlich geworden ist. Allen Dreien herzlichen Dank!

Mit Caty bekamen wir eine sehr fähige Kraft für das Büro, die sich sowohl in rechtlichen, finanziellen als auch bürokratischen Bereichen auskennt und selbstbewusst mit Behörden umgeht. Mittlerweile ist sie Direktorin, Maja kann sich somit mehr auf die Heimleitung konzentrieren.

Das Schulprojekt in Codlea ist abgeschlossen. Der Staat hat ein eigenes Förderprogramm gestartet, so dass wir uns aus dem Speisungs- und Nachhilfeprogramm zurückziehen konnten.

Die Arbeit unter den Roma in Dumbravita hat hingegen an Ausmaß  zugenommen.
Wir versorgen nun zusammen mit einem anderen Kinderheim in Ghimbav bis zu 150 Personen mit Brot und Hilfe fürs Nötigste.

Weiterhin unterstützen wir auch bedürftige Familien und Einzelpersonen in Ghimbav.

Unsere Kinder

Sandas Gruppe

Endlich sind die Umbauarbeiten im Dachgeschoss des Hofes fertig, und die Wohnung ist mit fünf Kinderzimmern, zwei Bädern, einem Wohnzimmer und einer großen Küche sehr schön geworden. Wir sind froh, dass die Arbeiten nach über vier Jahren Bauzeit endlich abgeschlossen sind und alles gut gegangen ist.
Viele, viele Helfer haben durch kompetente praktische Hilfe, viele Unterstützer mit Finanzen geholfen ­ vielen Dank an dieser Stelle!

Sanda hat mir ihrer Gruppe nun das Dachgeschoss bezogen.

Alex und Traian haben die Gruppe verlassen und leben nun bei Verwandten, dafür ist vorübergehend Radu aus Emmas Gruppe hinzugekommen. Er ist noch nicht soweit, dass er in der betreuten Wohngruppe in der Casa Noua leben könnte. Nach längerer Zeit haben wir nun auch wieder Kinder aufgenommen.

Sandas Gruppe.

Vier der ,,Neuen“ (v.l.):Oana, 11, Lenutsa, 9, Ionuts, 9, Casandra, 12.Nicht im Bild sind Alexandru, 13, und Cristian, 8.

Als Beispiel sei hier Lenutsa näher vorgestellt. Lenutsas Vater hat die Familie verlassen, die Mutter tat sich mit einem anderen Mann zusammen, beide sind arbeitslos und haben keinen festen Wohnsitz.

Lenutsa war insofern ihr kostbarster Besitz, weil sie betteln musste und damit der Familie das einzige Einkommen beschaffte. Die Polizei griff sie auf, sie kam ins Krankenhaus, wo sie wegen schwerer Hautkrankheiten und Parasiten behandelt wurde. Sie wurde auch misshandelt und hat Angst vor Mutter und Freund. Lenutsa ist sehr zurückhaltend, schüchtern und ängstlich. Streichelt man sie unerwartet, zuckt sie zusammen. Meist hält sie sich im Hintergrund und wartet, bis sie an die Reihe kommt.

Veränderungen machen ihr Angst. Langsam taut sie auf und sucht Nähe. So ging sie neulich ganz spontan auf mich, Maja, zu und gab mir ein Küsschen. Ganz schnell verschwand sie dann und lächelte mich aus sicherer Entfernung an. Vor einiger Zeit besuchte sie ihre Freunde im Durchgangsheim und erzählte, wie schön es im Samariteanul wäre, und alle wollten auch zu uns.

Noemis Gruppe

Cristina ist mit 12 Jahren die Älteste, Reli mit 8 Jahren die Jüngste aus der Gruppe der fünf Geschwister. Sie entwickeln sich gut, sind insgesamt ruhiger geworden. Cristina und Reli sind recht gut in der Schule, aber die Zwillinge Andrej und Ildiko tun sich weiterhin schwer. Stefan ist dieses Jahr zehn geworden, er ist immer noch ein fröhlicher und lebendiger Junge. Nach einem komplizierten Start ins Schulleben im letzten Jahr scheint es sich nun im zweiten Schuljahr etwas zu entspannen. Zu den fünf ist seit Ende Oktober noch Alexandru, 13 Jahre, dazu gekommen.

Noemis Gruppe, hier mit Ramona.

Emmas Gruppe ­ jetzt Außenwohngruppe für Ältere

Emma, die die Mutter unserer ersten Gruppe seit 1995 war, hat sich nun aus der Arbeit zurückgezogen. Sie wohnt jetzt mit ihrem Mann Dan und den drei Söhnen in Codlea. Seit Jahren schon hatte sie den Wunsch, mit ihrer kleinen Familie für sich zu wohnen. Nun war der Zeitpunkt gekommen. Roxana, 15 Jahre, ist bei ihr geblieben.
Die größeren Jungs sind, soweit noch nicht erwachsen, zu uns auf den Hof gezogen und Teil von Sandas Gruppe. An dieser Stelle noch ein großes Dankeschön an Emma und ihre Familie! Über viele Jahre hinweg hat sie sehr gut und treu diesen Kindern ein Heim geboten. Die Casa Noua, das Haus von Emmas Gruppe, wird nun im Erdgeschoss von unserem Hausmeister und seiner Familie bewohnt. Im ersten Stock wohnen derzeit drei der erwachsenen Jungen Ionuts, Marian und Banu, die alle noch in der Schule oder Ausbildung sind. Sie erhalten Geld für den Lebensunterhalt, zahlen eine geringe Miete und haben so die Gelegenheit, im Sinne eines betreuten Wohnens schrittweise in die Selbstständigkeit entlassen zu werden.

Emmas „alte“ Gruppe

Das Projekt in Dumbravita

„Schicke dein Brot übers Wasser, und nach vielen Jahren wirst du es
wieder finden.“ Dieser Vers aus Prediger 11,1 passt zu der Arbeit. Wir
glauben, wenn wir diesen Menschen dienen, hilft ihnen das nicht nur für den Augenblick, sondern es hat für die Kinder auch langfristig zur Folge, dass sie später ein besseres Leben führen können. Zusammen mit einem anderen Verein aus Ghimbav unterstützen wir derzeit 32 der ärmsten Familien mit ca. 100 Kindern. Wir engagierten Frau Serbanescu, eine pensionierte Lehrerin, die in Zusammenarbeit mit der örtlichen Sozialarbeiterin und der Schule die Hilfe vor Ort koordiniert. Ihr Hausflur sieht wie eine Sammelstelle der Caritas aus: Hier lagert sie Kleider, Schuhe, Spiele oder Bettzeug. In besonderen Fällen helfen wir z.B. mit gebrauchten Möbeln oder Baumaterial. Wir bezahlen die Gerichtskosten für fehlende Dokumente und betreiben sogar Familienplanung. Wir geben vorsichtig und gezielt und unter Mithilfe der Familien. Es ist uns wichtig, dass sie auch ihren Teil der Arbeit tun.

Vier Familien können aus dem Programm entlassen werden, weil sie sich jetzt selbst versorgen.

Die genialste Idee sind unsere Brotpatenschaften.

Jede Familie kann sich je nach Kinderzahl täglich Brot im örtlichen Laden abholen. So haben wir im letzten Jahr 5000 Laibe Brot ausgegeben. Bedingung ist, dass die Kinder täglich zur Schule und in den Kindergarten gehen. Fehlt ein Kind ohne Grund, gibt es kein Brot mehr. Das hat sofortige Wirkung und wir haben daher eine hohe Erfolgsquote.

Vor kurzem gelang es Frau Serbanescu, eine Kindergartengruppe für 25 unserer Romakinder zu organisieren. Lehrerin und Raum wurden vom Schulamt finanziert.
Wir halfen mit den Materialien. Zur Einweihung kamen 25 Kinder, mehr mit Angst als mit Freude. Der absolute Renner waren die Toiletten, einige hatten noch nie eine gesehen. Ein Kind wusch sich sogar die Hände darin.

Frau Serbanescu inmitten einiger Kinder

Familien- und Sozialhilfe

Kinderreichen, Kranken und alten Menschen helfen wir nach Prüfung gezielt.
So kommt beispielsweise täglich ein 84-jähriger Mann auf den Hof und erhält eine warme Mahlzeit und Lebensmittel für den Tag. Medikamente und Heizung werden von uns übernommen, denn er hat eine erbärmlich kleine Rente.

Oder eine etwa 30-jährige Frau mit jetzt zwei Kindern. Sie leidet an
Brustkrebs. Ihr Mann hat sich von ihr scheiden lassen und zwei Kinder
mitgenommen, er muss ihr keinen Unterhalt zahlen. Hier helfen wir mit
Gesprächen und Gebet, mit Medikamenten und teilweise mit Behandlungskosten und mit der Bezahlung von Strom und Gas.

Es gäbe noch viel zu berichten, noch so viel zu tun. Ich schließe mit
Auszügen aus einem Gedicht von Erzbischof Oscar Romero aus El Salvador, das mich in meiner Unvollkommenheit tröstet:


„Die neue Welt Gottes ist nicht nur jenseits unseres Tuns,
sie ist jenseits alles dessen, was wir sehen können.
Von dem herrlichen Plan, den Gott ausführen will,
können wir in unserem Leben nur ein winziges Stückchen verwirklichen.
Wir pflanzen den Samen, der eines Tages aufgehen wird,
wir gießen den Samen, der schon gepflanzt worden ist.
Wir legen das Fundament, aber es muss weiter darauf aufgebaut werden.
Wir können nicht alles tun, und das einzusehen, hat etwas Befreiendes.
So werden wir fähig, etwas zu tun und es sehr gut zu tun.
Es mag unvollkommen sein, aber es ist ein Anfang, ein Schritt auf dem Weg,
eine Stelle, an der Gottes Gnade eintreten und alles andere vollbringen kann.“

In diesem Sinne möchte ich Ihnen allen, die Sie auf Ihre Weise und mit Ihren Möglichkeiten mit uns an der „neuen Welt Gottes“ hier mitarbeiten,
von Herzen danken. Ihr Mitdenken und Mittragen in Form von Gebeten, praktischer Hilfe, Besuchen und Finanzen helfen und ermutigen uns täglich. Gott segne Sie dafür.

Herzlichst, im Namen der Mitarbeiter der Stiftung und des Vereins, der Kinder und der Bedürftigen,

In eigener Sache ­ Informationsmaterial

Wir haben seit kurzem eine eigene Website, über die Sie sich umfassend
über die Arbeit der Scheytt-Stiftung und des ASM informieren können. Die
Adresse lautet www.scheytt-stiftung.de.

Falls Sie in Ihrem Bekanntenkreis unsere Arbeit vorstellen möchten, können Sie eine Power-Point-Präsentation kostenfrei bei uns beziehen. Gerne kommen wir auch persönlich zu einer Vorstellung, was für uns allerdings vorwiegend im Raum NRW möglich ist.

Bitte tragen Sie auf dem Überweisungsformular unter dem Verwendungszweck Ihre vollständige Anschrift ein. Insgesamt können Spenden ab dem 1. Januar 2007 bis zu 20% des Einkommens steuermindernd abgesetzt werden. Sollte sich Ihre Anschrift ändern oder möchten Sie unseren Rundbrief nicht mehr erhalten, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns dies mitteilen.

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